Die Investitionsgruppe PURPOSIA Group hat eine 50-prozentige Beteiligung an der Firma Coral Construction Technologies (Coral) erworben, die auf die Automatisierung im Bauwesen mittels 3D-Betondruck spezialisiert ist. Konkret wurde die neu gegründete Gesellschaft von einer der größten Töchter der Gruppe, der Baugruppe HSF System, übernommen. Mit dieser einzigartigen Technologie wurde bereits ein neues Projekt gestartet, das sprichwörtlich hoch hinaus will: Der gedruckte Beton ermöglicht den Bau der Dreifaltigkeitskirche in Neratovice.
„In der Robotisierung und Automatisierung des Bauwesens sehen wir die Zukunft, gestützt auf die tatsächliche und aktuelle Nachfrage. Die schwerste körperliche Arbeit muss durch maschinelle Lösungen ersetzt werden, da wir am Markt bereits lange einen Mangel an Arbeitskräften für diese Tätigkeiten sehen. Bauwerke werden sicher nie ganz ohne Menschen entstehen, aber der Branche hilft die Automatisierung im Rohbau massiv“, sagt Jan Hasík, Vorstandsvorsitzender der PURPOSIA Group. Dank der Coral 3DCP-Technologie (3D Concrete Printing) wird der fast 23 Meter hohe Turm in nur wenigen Tagen entstehen. Dies spart Monate an Arbeitszeit ein, insbesondere angesichts der anspruchsvollen Form, die von der Silhouette gotischer Madonnen inspiriert ist.
Die Investitionsgruppe hat sich gezielt für Coral entschieden, da das Unternehmen ein Spitzenanbieter für 3D-Bautechnologie ist, die in Tschechien entwickelt wurde und einzigartiges lokales Know-how repräsentiert. Das Unternehmen ging aus der 3DCP-Sparte von ICE Industrial Services hervor (Miteigentümer Tomáš Vránek), wobei die Muttergesellschaft ICE zur MTX Group gehört, einer der größten tschechischen Industrieholdings.
Zusammengeführt wurden beide Seiten durch gemeinsame Projekte – HSF System liefert Bauwerke für die meisten Unternehmen der MTX Group (wie Strojmetal Aluminium Forging, Al Invest oder Povrly Copper Industries). Dazu gehörte unter anderem das Projekt des weltweit ersten 3D-gedruckten Restaurants im Skigebiet Kopřivná. Noch vor Unterzeichnung der Transaktion begann der Bau des erwähnten Gotteshauses des Architekten Zdeněk Fránek, der bereits in der Planungsphase den Einsatz von 3D-Druck vorgesehen hatte.
„Als Automatisierungsunternehmen fehlte uns der enge Kontakt zum Bauwesen, um unsere eigene 3D-Betondrucktechnologie breiter im Markt zu etablieren. Es ist eine perfekte Synergie. Beim Projekt des Turms in Neratovice lag diese Verbindung förmlich auf der Hand“, so Tomáš Vránek, der 40 % an ICE Industrial Services hält.
Die internationale Baugruppe HSF System aus der PURPOSIA Group (mit insgesamt 43 Unternehmen) sicherte sich den Auftrag für die Kirche in Neratovice im Rahmen einer Ausschreibung. Das Unternehmen verfügt bereits über Erfahrung mit Sakralbauten. Obwohl der Fokus anfangs primär auf Industrie- und Logistikbauten lag, hat sich das Portfolio sukzessive auf den Bereich der öffentlichen Infrastruktur ausgeweitet. Dazu gehören etwa das architektonisch preisgekrönte Gemeindezentrum in Sedlčany (Titel „Bauwerk des Jahres“), eine Volksschule in Veleň, ein Seniorenheim in Dačice oder das Wellnesshotel Zavadilka.
Doppelt so stark
Durch die Akquisition gewinnen beide Gruppen einen strategischen Partner, der ihre Präsenz in Schlüsselbereichen stärkt. ICE Industrial Services liefert die Automatisierung und den Maschinenbau, HSF System wiederum fundierte Kenntnisse im Bauwesen sowie die ersten greifbaren Pilotprojekte im 3D-Betondruck. CEO des neuen Zusammenschlusses unter dem Namen Coral Construction Technologies wird Tomáš Vránek, der die Technologie von Beginn an mitentwickelt hat.
„Die Verbindung von HSF System und ICE Industrial Services ist deshalb so spannend, weil HSF System Automatisierungspotenziale im Bauwesen identifiziert und wir über das Joint Venture die passenden technologischen Lösungen realisieren“, erklärt Petr Otava, Eigentümer der MTX Group.
Bei ICE wurde im Sommer 2021 mit der Entwicklung des 3D-Betondrucks begonnen, der erste Testdruck erfolgte nach nur drei Wochen. Während bestehende Alternativen am Markt meist auf Trockenmischungen basieren, erfand ICE als einer der weltweiten Pioniere eine revolutionäre Technologie für den Druck mit klassischem Transportbeton unter Einsatz einer patentierten Beschleuniger-Druckdüse.
Der 3D-Druck benötigt keine Schalung, was massiv Zeit spart und die innere Struktur der Elemente verbessert. Der Betonverbrauch sinkt um bis zu 70 Prozent. Zudem ermöglicht der räumliche Druck Formen, die mit klassischer Schalung kaum oder gar nicht umsetzbar wären. Coral legt dabei Wert darauf, höchste Funktionalität mit ästhetischem Anspruch zu vereinen.
„Unsere Lösung für den 3D-Betondruck ist so einzigartig, dass wir – wie uns auf internationalen Messen bestätigt wurde – weltweit keine Konkurrenz haben. Unsere Patente, die Automatisierungstechnologie und das Know-how sind beispiellos“, ergänzt Vránek. Das Wachstumspotenzial liege im Bereich von Hunderten Millionen Kronen jährlich.
Die Ergebnisse der tschechischen Ingenieure sind bereits im Ausland sichtbar: Im August wurde in Luxemburg das erste 3D-gedruckte Einfamilienhaus aus Beton eröffnet. Aktuell laufen Verhandlungen über Projekte in den USA, Mexiko, Kanada oder Costa Rica. In der Ukraine lieferte ICE ein modulares Verteidigungssystem, und auf dem Flughafen Čáslav stehen Bunker aus dem 3D-Drucker. Auch Bushaltestellen, Spielplätze und das bereits erwähnte 3D-Restaurant zeugen von der Vielseitigkeit der Technologie.
Dank der Verbindung zweier Marktführer erhalten Kunden beider Gruppen noch umfassendere Dienstleistungen. „Wir werden die Technologie in die Aufträge von HSF System integrieren und so Design, neue Funktionen und Einsparungen hervorheben. Die Verbindung von Coral und HSF System ist mehr als eine Investition – es ist die Geburtsstunde einer Plattform, die Vision und Realisierung vereint. Wir bieten Kunden die Möglichkeit, anders zu bauen: schneller, nachhaltiger und ohne Kompromisse beim Design“, beschreibt Tomáš Kosa, Geschäftsführer von HSF System und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der PURPOSIA Group.